Noch einen Kaffee bitte!
Frauen sollten Kaffee trinken! Ich atme auf. Eine Studie der Harvard-Universität hat ergeben, dass regelmäßiger Kaffeekonsum Frauen gut altern lässt. Die Wissenschaftler sind zu dem Schluss gekommen, dass regelmäßiger Kaffeegenuss bei Frauen zu einem gesunden Altern ohne Demenz, Diabetes oder Krebs beitragen kann. Ideal wären bis zu 2,5 Tassen Kaffee pro Tag. Solche Nachrichten bringen mich zum Jubeln. Ich trinke Kaffee. Echten, richtigen Kaffee. Mit Koffein. Das trauen mir die wenigsten zu.
Meine Motivation, gesund zu leben, liegt hauptsächlich an zwei Komponenten: Ich möchte meine Kinder, die ich mit 36 und 39 Jahren verhältnismäßig spät bekommen habe, möglichst lange in ihrem Leben begleiten und zweitens, ich liebe es, aktiv und beweglich zu sein und kann mir nur in etwa vorstellen, wie viel Lebensqualität ich verliere, wenn ich irgendwann nicht mehr so aktiv und beweglich bin. Das sehe ich überall. Und das ist meine Motivation. Alles, was ich dafür mache, ist für mich weder stressig noch unangenehm. Ich geniesse mein Leben eher mehr denn je würde ich sagen. Ich glaube, nein ich weiß, dass die Aussenwahrnehmung anders ist. Diejenigen, die sich nicht so gerne bewegen, sehen wie viel Sport ich mache und wie ich mich jeden Morgen beim Yoga verbiege, sie sehen meine grünen Smoothies und meine vorwiegend vegane Ernährungsweise auf Instagram und glauben, dass ich mir unheimlich viel verwehre und Dinge esse, die mir nicht schmecken. Das Gegenteil ist der Fall. Ich würde meine Frühstücksbowls nie gegen ein Nutellabrot eintauschen wollen, sie schmecken nämlich himmlisch, was ich jetzt von Nutella nicht behaupten kann. Es gibt Tage, da verzweifele ich an der Entscheidung, was ich morgens frühstücken soll, weil ich all meine Frühstpcksrezepte und -kreationen so liebe. Ich liebe, was ich esse und ich liebe es, mich zu bewegen. Und das Beste: Ich trinke keinen Alkohol und das habe ich nicht mal als 18-Jährige getan. Der Grund ist so simpel wie eine glückliche Fügung: Er schmeckt mir einfach nicht. Danke!
Noch vor zwei Jahren habe ich mich bei Freunden entschuldigt, wenn ich auf geselligen Abende nichts getrunken habe. Heute mache ich das nicht mehr. Ich stehe stolz drüber. Alkohol? Einer meiner Lieblingsbuchtitel ist von Suse Kaloff und lautet: Nüchtern betrachtet, war es betrunken doch nicht so berauschend“. Ich kann sogar mitreden, denn 2004 habe ich mich einmal überreden lassen. Auf den Olympischen Spielen in Athen nahm ich zwei Ouzos mit (und das als Nicht-Trinkerin!) Und im Anschluss gleich noch zwei Mojitos. Das Ergebnis: Ich übergab mich im Taxi, und war noch so bei Sinnen, dass ich während der Fahrt die Tür einen Spalt weit öffnete und mich auf die Straße übergab. Der vor Wut tobende Fahrer fand das richtig Scheiße, und ich war betrunken genug, ihm lautstark zu erklären, dass er das ja wohl mal besser finden sollte, als alles Erbrochene in seinem Wagen zu finden …
Nüchtern betrachtet …
Am vergangenen Freitag stand ich gähnend auf dem Hamburger Flughafen. Ich musste zu einem Kundenevent nach München. Ich – eine Frühaufsteherin quälte mich durch die Sicherheitskontrolle und dann durch die Suche nach Kaffee. Während ich auf meinen Oat-Cappuccino wartete (was anderes konnte ich um diese Uhrzeit am Flughafen nicht erwarten), fiel mein Blick auf eine Gruppe Männer mittleren Alters, die allesamt – ich vermute mal vor ihrem Abflug nach Palma – vor ihren 0,5 Liter Bier Gläsern standen und fröhlich klönten. Um 5 Uhr morgens. Und genau das ist es, was ich nicht verstehe, diese ständigen Fragen, wie ich es schaffe, meine Routinen einzuhalten, wie ich es schaffe, so diszipliniert jeden Morgen um 5.30 Uhr meine Yogaübungen zu machen und als erstes einen Slowjuice in meinen Körper kippe – als sei ich von einem anderen Stern. Aber niemand findet es abartig, wenn sich Menschen um 5 Uhr morgens 0,5 Liter Bier reinschütten. Es ist die Höchststrafe für mich und es kann weder etwas mit Genuss zu tun haben, noch, I am sorry, kann es sein, dass unser Körper direkt nach dem Zähneputzen sagt: ja, geil, ich mag den Geschmack, gib mir das. Ich glaube, dass sich alles in uns zusammenzieht, die Organe schreien, die Zellen weinen.
Am Flughafen in München schaute ich nach draussen auf das Flugzeug im Regen, das mich später nach München bringen würde und trank meinen Oat-Cappuccino, der erstaunlich gut schmeckte. Und ich weiß, dass Matcha viel besser wäre. Ich habe schon mal eine ganze Weile auf Kaffee verzichtet und stattdessen Matcha getrunken. Aber so richtig konnte ich auch keine Unterschiede in meiner körperlichen Verfassung feststellen. Und nun trinke ich also wieder meine ein bis zwei Kaffee am Tag und freue mich über die angeblichen gesundheitlichen Vorteile. Über die habe ich übrigens schon vor Jahren mit einem Kardiologen gesprochen, den ich zu einem meiner Bücher interviewt hatte. „Eine Tasse ist gut, sagte er damals zu mir, zwei wären noch besser.“ Ich rede mir Dinge halt auch schön. Ist doch klar. Nur das mit dem Bier um 5 Uhr kriege ich irgendwie nicht hin. Jedenfalls nicht nüchtern betrachtet. Aber das mit dem Kaffee gilt ja auch nur für Frauen.
